Tempelhof-Schöneberg liegt im Süden Berlins und vereint sehr unterschiedliche Welten: das mondäne alte West-Berlin rund um KaDeWe und Nollendorfplatz, das weite Tempelhofer Feld mit seinem berühmten Flughafengebäude und ruhige Wohnlagen in Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Der Bezirk gehört zu den bevölkerungsreichsten der Hauptstadt und erzählt zugleich ein gutes Stück deutscher Geschichte.
Wer hier lebt oder den Bezirk besser kennenlernen will, stößt schnell auf erstaunliche Zahlen, große Namen und Orte von Weltrang. Wir haben 31 Fakten über Tempelhof-Schöneberg zusammengetragen. Jeder Fakt trägt am Ende eine Nummer, die per Klick zur passenden Quelle springt, deren genaue Adresse sich dort per Mauszeiger anzeigen lässt.
Größe, Lage und Bevölkerung
1. Rund 337.000 Menschen leben im Bezirk
Am 31. Dezember 2024 zählte Tempelhof-Schöneberg laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg genau 337.361 Einwohner. Damit ist der Bezirk nach Pankow, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf der viertgrößte unter den zwölf Berliner Bezirken. Gegenüber vielen Flächenbezirken am Stadtrand lebt hier eine deutlich größere Bevölkerung auf engerem Raum.1
2. 53 Quadratkilometer Fläche, ein Bezirk im Mittelfeld
Mit einer Fläche von rund 53,1 Quadratkilometern liegt Tempelhof-Schöneberg im Mittelfeld der Berliner Bezirke und belegt Platz sieben von zwölf. Zum Vergleich: Der größte Bezirk Treptow-Köpenick ist mehr als dreimal so groß. Trotz der überschaubaren Fläche reicht der Bezirk vom innerstädtischen Schöneberg bis weit in den grünen Süden Berlins.2
3. Über 6.300 Einwohner pro Quadratkilometer
Die Bevölkerungsdichte lag am 31. Dezember 2024 bei rund 6.355 Einwohnern je Quadratkilometer und damit deutlich über dem Berliner Durchschnitt. Diese Zahl zeigt, wie dicht besiedelt große Teile des Bezirks sind, vor allem im nördlichen Schöneberg. Im Süden sorgen Eigenheimgebiete und Grünflächen dagegen für ein lockereres Bild.3
4. 2001 aus zwei Bezirken zusammengelegt
Tempelhof-Schöneberg entstand am 1. Januar 2001 im Rahmen der Berliner Verwaltungsreform aus der Fusion der bis dahin selbstständigen Bezirke Tempelhof und Schöneberg. Aus ehemals 23 Bezirken wurden damals zwölf. Der Doppelname erinnert bis heute an die beiden historischen Hälften, die bis dahin eine eigene Verwaltung hatten.4
5. Sechs Ortsteile von Friedenau bis Lichtenrade
Der Bezirk gliedert sich in sechs Ortsteile: Schöneberg, Friedenau, Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Jeder hat seinen eigenen Charakter, vom dichten Gründerzeitviertel Friedenau bis zum dörflich geprägten Lichtenrade ganz im Süden. Diese Vielfalt macht einen großen Teil des Reizes von Tempelhof-Schöneberg aus.5
6. Schöneberg ist der größte, Friedenau der kleinste Ortsteil
Mit rund 125.000 Einwohnern ist Schöneberg der mit Abstand bevölkerungsreichste Ortsteil des Bezirks. Am anderen Ende der Skala liegt Friedenau, das auf nur etwa 1,65 Quadratkilometern als flächenmäßig kleinster Ortsteil zugleich besonders dicht bebaut ist. Zwischen diesen Polen verteilen sich Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade.6
7. Durchschnittsalter von 44 Jahren
Das Durchschnittsalter lag im Bezirk Ende 2024 bei 44,0 Jahren und damit etwas über dem Berliner Mittel von rund 42,8 Jahren. Tempelhof-Schöneberg gehört damit zu den eher älteren Bezirken der Stadt. Wer mehr über die Preise des Alltags wissen will, findet Details in unserer Übersicht zu den Lebenshaltungskosten.7
8. Mehr als vier von zehn mit Migrationshintergrund
Rund 57 Prozent der Einwohner sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, etwa 19 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund und gut 23 Prozent ausländische Staatsangehörige. In der Summe haben also mehr als vier von zehn Bewohnern eine internationale Familiengeschichte. Wie sicher der Bezirk ist, zeigt unsere Kriminalitätsstatistik.8
Wahrzeichen und Geschichte
9. Tempelhof ist Europas größtes Baudenkmal
Das ehemalige Flughafengebäude Tempelhof gilt als größtes Baudenkmal Europas. Der von Ernst Sagebiel in den 1930er Jahren errichtete Bau erstreckt sich über rund 1,2 Kilometer Länge und etwa 300.000 Quadratmeter Geschossfläche. Bei seiner Fertigstellung galt er als eines der größten Gebäude der Welt, heute ist als Einzelbau flächenmäßig nur das Pentagon größer.9
10. Drehscheibe der Berliner Luftbrücke 1948/49
Während der sowjetischen Blockade West-Berlins wurde Tempelhof zum Symbol der Freiheit. Vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versorgten alliierte Flugzeuge die eingeschlossene Stadt über die Luftbrücke. In knapp 278.000 Flügen brachten die Maschinen mehr als 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel, Kohle und Güter zu den rund 2,1 Millionen Menschen im Westteil der Stadt.10
11. Das KaDeWe ist Europas zweitgrößtes Kaufhaus
Das Kaufhaus des Westens an der Tauentzienstraße liegt im äußersten Nordwesten von Schöneberg und gehört zu den berühmtesten Adressen der Stadt. Mit über 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist es nach Harrods in London das zweitgrößte Kaufhaus Europas. Bereits 1907 eröffnet, lockt es bis heute täglich zehntausende Besucher an, besonders in die legendäre Feinkostetage.11
12. Hier sagte JFK "Ich bin ein Berliner"
Vor dem Rathaus Schöneberg hielt US-Präsident John F. Kennedy am 26. Juni 1963 vor hunderttausenden Zuhörern seine berühmte Rede mit den Worten "Ich bin ein Berliner". Das Rathaus war zur Zeit der Teilung Sitz des Regierenden Bürgermeisters und damit das politische Zentrum West-Berlins. Bis heute erinnert der Platz an diesen historischen Moment des Kalten Krieges.12
13. David Bowie und Iggy Pop lebten in der Hauptstraße
Von 1976 bis 1978 wohnte David Bowie in einer Altbauwohnung in der Hauptstraße 155 in Schöneberg, eine Zeit lang gemeinsam mit Iggy Pop. In diesen Jahren entstanden Bowies Alben Low, Heroes und Lodger sowie die Iggy-Pop-Platten The Idiot und Lust for Life. Jedes Jahr am 10. Januar erinnern Blumen am Hauseingang an den verstorbenen Musiker.13
14. Der Gasometer prägt die Skyline von Schöneberg
Der 1910 errichtete Gasometer Schöneberg gehört zu den weithin sichtbaren Industriedenkmälern Berlins. Das stählerne Gerüst der ehemaligen Gasspeicheranlage ist heute Teil des EUREF-Campus und wurde zu einem modernen Bürogebäude ausgebaut. In rund 66 Metern Höhe entstand dabei eine öffentlich zugängliche Skylounge mit weitem Blick über die Stadt.14
Wirtschaft und Kultur
15. 7.000 Menschen arbeiten auf dem EUREF-Campus
Rund um den Gasometer ist mit dem EUREF-Campus ein eigenes Zukunftsviertel entstanden. Auf etwa 5,5 Hektar arbeiten, forschen und studieren hier rund 7.000 Menschen in mehr als 150 Unternehmen, Institutionen und Start-ups aus den Bereichen Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Der Campus gilt als Referenzort für die Smart-City-Strategie Berlins.15
16. Am Nollendorfplatz liegt das älteste queere Viertel der Welt
Rund um den Nollendorfplatz entstand bereits in den 1920er Jahren eine schwul-lesbische Nachbarschaft, die als die älteste ihrer Art weltweit gilt. Schon damals gab es zahlreiche Lokale, das legendärste war das Eldorado. Bis heute ist das Viertel mit Bars, Cafés und dem jährlichen Stadtfest ein wichtiger Ort der queeren Geschichte Berlins.16
17. Ein Gedenkstein erinnert an die NS-Opfer
Am U-Bahnhof Nollendorfplatz erinnert ein Gedenkstein mit der Inschrift "Totgeschlagen Totgeschwiegen" an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus. Männer, die als schwul verfolgt wurden, mussten in den Konzentrationslagern den rosa Winkel tragen. Eine später aufgestellte Regenbogenstele der Künstlerin Salome greift dieses Symbol mit ihrer rosa Spitze bewusst auf.17
18. Das älteste Mercedes-Benz-Werk steht in Marienfelde
In Marienfelde betreibt Mercedes-Benz seinen Berliner Standort, der 1902 gegründet wurde und damit das älteste noch produzierende Werk des Autokonzerns ist. Rund 2.500 Beschäftigte stellen dort Antriebskomponenten her. Das Werk gehört zu den größten industriellen Arbeitgebern im Bezirk und prägt den Süden von Tempelhof-Schöneberg seit über einem Jahrhundert.18
Natur und Freizeit
19. Das Tempelhofer Feld ist Berlins größte Freifläche
Mit rund 300 Hektar ist das Tempelhofer Feld die größte unbebaute innerstädtische Freifläche Berlins. Wo früher Flugzeuge starteten, joggen, skaten und grillen heute die Berliner auf den alten Rollbahnen. Die weite Ebene ist außerdem ein wichtiger Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere wie die Feldlerche und sorgt an heißen Nächten für Kühlung in der Stadt.19
20. Auf dem Insulaner steht eine Sternwarte
Der 78 Meter hohe Insulaner an der Grenze zu Steglitz ist ein aus Trümmerschutt aufgeschütteter Berg. Auf seiner Kuppe befindet sich die Wilhelm-Foerster-Sternwarte, deren große Teleskope bei klarem Wetter den Blick auf Planeten und Sterne erlauben. Am Fuß des Bergs lädt das Zeiss-Planetarium unter einer 20 Meter hohen Kuppel zu Reisen durch den Sternenhimmel ein.20
21. Im Südgelände erobert die Natur alte Gleise zurück
Auf einem ehemaligen Rangierbahnhof ist der rund 18 Hektar große Natur-Park Schöneberger Südgelände entstanden. Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen haben die alten Gleisanlagen überwuchert und dem Gelände den Charakter einer kleinen Wildnis gegeben. Stege und ein rostiger Lokschuppen erinnern an die Eisenbahngeschichte, während Künstler den Park mit Skulpturen bespielen.21
Wohnen und Kosten
22. Mieten im mittleren Berliner Bereich
Tempelhof-Schöneberg gehört preislich zum gehobenen Mittelfeld Berlins. Im dritten Quartal 2025 lag die durchschnittliche Angebotsmiete bei rund 13,43 Euro pro Quadratmeter, ein Plus von gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beliebte Lagen wie Schöneberg liegen mit etwa 15 Euro über diesem Schnitt, ruhigere Ortsteile im Süden sind oft günstiger.22
23. Große Preisunterschiede zwischen den Ortsteilen
Innerhalb des Bezirks klaffen die Wohnkosten weit auseinander. Während zentrale, gut angebundene Lagen im Norden zu den teureren Adressen zählen, finden sich in Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade häufig günstigere Wohnungen mit mehr Grün. Wer den Bezirk nach Budget durchsucht, sollte die einzelnen Ortsteile gezielt vergleichen, wie unsere Lebenshaltungskosten zeigen.23
Verkehr und Anbindung
24. Der S-Bahn-Ring durchzieht den Norden
Der nördliche Teil des Bezirks ist über den Berliner S-Bahn-Ring hervorragend angebunden. Bahnhöfe wie Schöneberg und Südkreuz verknüpfen die Ringbahn mit weiteren S-Bahn- und Regionallinien. Vom Bahnhof Südkreuz aus erreicht man im Fernverkehr bequem viele deutsche Städte, was den Bezirk zu einem wichtigen Verkehrsknoten im Berliner Süden macht.24
25. Mehrere U-Bahn-Linien erschließen den Bezirk
Gleich mehrere U-Bahn-Linien durchziehen Tempelhof-Schöneberg und verbinden ihn eng mit der Innenstadt. Die U6 führt von Tempelhof und Mariendorf bis ins Zentrum, die U7 erschließt den Westen des Bezirks. Zusammen mit der dichten Bus- und Tramanbindung ist man aus den meisten Wohnlagen schnell in der City unterwegs.25
Was sich in den nächsten Jahren verändert
26. Das Volk schützte das Tempelhofer Feld 2014
Beim Volksentscheid im Mai 2014 stimmten rund 64,3 Prozent der Berliner für den Erhalt des Tempelhofer Feldes und ausdrücklich gegen eine Bebauung. Das daraus entstandene Tempelhof-Gesetz trat am 25. Juni 2014 in Kraft und sichert die freie Fläche bis heute. Eine Bebauung wäre nur über eine Änderung dieses Gesetzes möglich.26
27. Neuer Ideenwettbewerb zum Tempelhofer Feld
Im Juni 2025 stellte der Senat die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs zur möglichen Neugestaltung des Tempelhofer Feldes vor. Von den sechs ausgewählten Entwürfen sah die Mehrheit jedoch keine Bebauung vor, was als Dämpfer für Befürworter neuer Wohnungen galt. Die Diskussion über die Zukunft der Fläche bleibt damit eines der großen Streitthemen der Stadt.27
28. 2026 könnten die Berliner erneut abstimmen
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hält trotz des Wettbewerbs an einer Randbebauung des Tempelhofer Feldes fest. Sein Ziel ist es, die Berliner möglicherweise 2026 erneut zu befragen, wie sie sich die Zukunft des Ortes vorstellen. Ob und wann es zu einer neuen Abstimmung kommt, ist allerdings noch offen.28
29. Der Gasometer wird zum Sitz der digitalen Bahn
Der zum Bürogebäude ausgebaute Gasometer auf dem EUREF-Campus bietet rund 28.000 Quadratmeter Fläche für etwa 2.000 Arbeitsplätze. Hauptmieter ist die Deutsche Bahn, die hier ihren Bereich "Digitale Schiene" bündelt und Hunderte neue Arbeitsplätze schafft. Damit entwickelt sich Schöneberg weiter zu einem Standort für Energie, Mobilität und Digitalwirtschaft.29
30. Die Bevölkerung soll weiter wachsen
Berlin insgesamt soll laut Bevölkerungsprognose des Senats bis 2030 auf rund 3,9 Millionen Menschen zulegen, und auch Tempelhof-Schöneberg wird in diesen Vorausberechnungen ein weiteres Wachstum zugeschrieben. Mehr Einwohner bedeuten zugleich einen wachsenden Bedarf an Wohnungen, Schulen und Kitas. Der Bezirk steht damit vor der Aufgabe, behutsam nachzuverdichten.30
31. Ein Bezirk zwischen Bewahren und Verändern
Tempelhof-Schöneberg bleibt ein Bezirk der Gegensätze, in dem geschützte Freiflächen, denkmalgeschützte Großbauten und der Druck einer wachsenden Stadt aufeinandertreffen. Ob beim Tempelhofer Feld, dem EUREF-Campus oder neuen Wohnprojekten im Süden: Die kommenden Jahre entscheiden darüber, wie der Bezirk Geschichte und Zukunft miteinander verbindet. Spannend bleibt es allemal.31