Es sind nur wenige Sekunden auf der Zwischenebene des U‑Bahnhofs Westphalweg – und sie hätten einem 50‑jährigen Mann fast das Leben gekostet.12 Ein Unbekannter schlägt ihn ohne Vorwarnung zu Boden, prügelt ihm mehrfach ins Gesicht, der Mann erleidet eine Gesichtsfraktur und einen Kreislaufstillstand.3
Jetzt geht die Kriminalpolizei mit Überwachungsbildern an die Öffentlichkeit und bittet dringend um Mithilfe aus der Nachbarschaft. Der Täter ist weiter auf freiem Fuß – und viele Mariendorfer fragen sich: Läuft dieser Mann noch immer durch „unseren“ Kiez?
Brutale Attacke mitten am Tag
Der Angriff passierte am Dienstag, 28. Oktober, gegen 12.30 Uhr, also mitten am helllichten Tag, auf der Zwischenebene des U‑Bahnhofs Westphalweg im Ortsteil Mariendorf. Laut Polizei brachte der Unbekannte den 50‑Jährigen zunächst zu Boden und schlug ihm dann mehrfach unvermittelt mit der Faust ins Gesicht.
Aus Sicht der Ermittler gab es keine erkennbare Vorwarnung, keinen Streit, keine längere Vorgeschichte – der Angriff kam aus dem Nichts. Für alle, die täglich dort unterwegs sind, ist das ein besonders beunruhigender Gedanke: Es hätte theoretisch jede und jeden treffen können.
Gesichtsfraktur, Herzstillstand – Zeugen retten dem Opfer das Leben
Die Verletzungen des Mannes sind dramatisch: Er erlitt eine schwere Gesichtsfraktur und einen Kreislaufstillstand. Passantinnen und Passanten fanden den 50‑Jährigen bewusstlos auf dem Boden und begannen noch vor Eintreffen der Rettungskräfte mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
„Ohne das schnelle Eingreifen der Ersthelfer wäre das Ganze vermutlich anders ausgegangen“, heißt es sinngemäß aus Ermittlerkreisen. Rettungskräfte konnten den Mann stabilisieren, er wurde anschließend intensivmedizinisch im Krankenhaus behandelt.
Für Tempelhof‑Schöneberg zeigt dieser Fall einmal mehr, wie wichtig Zivilcourage und Erste‑Hilfe‑Kenntnisse sind – und dass Nachbarn im Zweifel über Leben und Tod entscheiden können. Wie sehr das Sicherheitsgefühl im Bezirk an Details hängt, hat sich zuletzt auch bei den neuen Böllerverbotszonen in Tempelhof-Schöneberg gezeigt.
Polizei veröffentlicht Überwachungsbilder
Um den mutmaßlichen Täter zu fassen, hat die Kriminalpolizei nun Bilder aus einer Überwachungskamera des U‑Bahnhofs veröffentlicht. Darauf ist ein schwarz gekleideter Mann zu sehen, der sein Gesicht zusätzlich verhüllt haben soll.
Die Ermittler erhoffen sich, dass jemand aus dem Umfeld in Mariendorf, Tempelhof, Schöneberg oder darüber hinaus diesen Mann erkennt. „Wir gehen davon aus, dass der Tatverdächtige Bekannte, Freunde oder Nachbarn hat, denen sein Aussehen und sein Verhalten aufgefallen sein könnten“, sagt ein Ermittler laut Polizeimitteilung sinngemäß.
Wer etwas gesehen hat, soll sich melden
Die Kriminalpolizei stellt drei zentrale Fragen: Wer kann Hinweise zur Identität oder zum Aufenthaltsort des abgebildeten Mannes geben? Wer hat die Tat am 28. Oktober gegen 12.30 Uhr auf der Zwischenebene des U‑Bahnhofs Westphalweg beobachtet? Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise liefern?
Hinweise nimmt das zuständige Fachkommissariat der Polizeidirektion 4 (Süd) in der Eiswaldtstraße 18 in Lankwitz unter der Rufnummer (030) 4664‑473124 entgegen. Zusätzlich können Zeuginnen und Zeugen die Internetwache der Polizei Berlin nutzen oder sich an jede andere Polizeidienststelle wenden.
Wer sich nicht sicher ist, ob eine Beobachtung wichtig genug ist, sollte sich trotzdem melden – oft sind es scheinbare Nebensächlichkeiten, die ein Puzzleteil in der Ermittlungsarbeit liefern.
Ein Fall, der den Kiez verunsichert – und zusammenschweißen kann
Für viele Anwohnerinnen und Anwohner ist der Westphalweg ein alltäglicher Ort: zur Arbeit, zur Schule, zum Training, zum Arzt. Wenn dort jemand ohne Vorwarnung zusammengeschlagen wird, kratzt das am Sicherheitsgefühl im ganzen Kiez.
Gleichzeitig zeigt der Fall auch eine andere Seite von Tempelhof‑Schöneberg: Menschen, die nicht wegschauen, sondern helfen – sei es bei der Reanimation am Tatort oder jetzt, indem sie sich als Zeuginnen und Zeugen bei der Polizei melden. Wenn dieser Täter gefasst werden soll, geht das nur gemeinsam: Polizei, Fahrgäste, Nachbarschaft – derselbe Bahnhof, aber diesmal auf der richtigen Seite.
Die Fahndung läuft, und klar ist: Wer hier im Bezirk unterwegs ist, sollte die Augen offen halten. Vielleicht ist es am Ende genau der kurze Moment auf dem Bahnsteig oder an der Supermarktkasse, in dem jemand denkt: „Den kenne ich doch“ – und zum Hörer greift.