Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf dem weiten Feld des Flughafens Tempelhof in unserem Tempelhof-Schöneberg und ahnen nicht, welche Geheimnisse direkt unter Ihren Füßen schlummern. Ein gigantisches Netz aus Bunkern und Tunneln, Zeugen von Krieg, Kalter Auseinandersetzung und vergessenen Geschichten, wartet darauf, entdeckt zu werden.
Genau hier in unserem Bezirk, wo einst Rosinenbomber landeten, verbirgt sich ein unterirdisches Labyrinth, das die Geschichte Berlins greifbar macht. Dank der spannenden Führungen "Verborgene Orte" von THF Berlin können wir Tempelhof-Schöneberger jetzt selbst eintauchen in diese verborgene Welt.1
Die Geburt der Bunker: NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg
Der Flughafen Tempelhof, erbaut zwischen 1937 und 1941 vom Architekten Ernst Sagebiel, war von Anfang an mehr als nur ein Flugplatz. Er entstand als Prestigeprojekt des NS-Regimes, mit Kellern und Hangars, die rasch zu Luftschutzbunkern ausgebaut wurden, um die Bevölkerung vor Bombenangriffen zu schützen.23
In dieser Zeit wuchs unter dem monumentalen Bau ein System aus Versorgungsschächten mit fast fünf Kilometern Länge, das die unterschiedlichen Gebäudeteile verband. Besonders der Filmbunker, Ende 1937 für die Hansa Luftbild gebaut, diente der sicheren Lagerung brennbarer Zelluloidfilme aus Luftaufklärungsmaterialien, das mit dem NS-Regime zusammenarbeitete.45
Zum Kriegsende explodierte in diesem zweigeschossigen Filmbunker unter dem Columbiadamm ein Inferno bei über 1200 Grad, als die Filme wohl absichtlich vernichtet wurden, um Beweismaterial zu tilgen. Sowjetische Truppen sprengten später Türen zu ähnlichen Dokumentenbunkern, die bis heute Rußspuren und geschmolzenen Stahlbeton zeigen.
Teile dieser Anlagen entstanden unter Zwangsarbeit, was die dunkle Seite des NS-Baus hier in Tempelhof-Schöneberg unterstreicht. Wandmalereien nach Motiven von Wilhelm Busch an den Wänden erinnern noch heute an die Kriegsjahre.
Kalter Krieg und die US Air Force übernehmen
Nach 1945 wurde Tempelhof zur militärischen Kommandozentrale der Amerikaner, die die bestehenden Bunker nutzten. Besonders der Nachrichtendienst der US Air Force machte sich die unterirdischen Räume zunutze, um sensible Operationen durchzuführen.
Im Kalten Krieg dienten die Luftschutzräume und Tunnel als strategische Schlüsselpunkte in der Teilung Berlins. Die Amerikaner blieben bis 1993, und erst danach entdeckte die Berliner Subkultur Orte wie den ausgebrannten Filmbunker als legendäre Partylocation, der zivile Flugbetrieb endete dann mit dem letzten Flug am Flughafen Tempelhof 2008.
Heute erzählt dieses Erbe von der bipolaren Welt, in der Tempelhof-Schöneberg Frontlinie war. Die Bunker symbolisieren, wie unser Bezirk von globalen Konflikten geprägt wurde, ohne dass die meisten Anwohner es wussten.
Verborgene Orte: Die Führung, die Sie erleben müssen
Die "Verborgene Orte"-Führungen von THF Berlin öffnen Türen zu diesem Labyrinth, das sonst tabu ist. Hier tauchen Sie ein in Kellerräume, gewaltige Gewölbe und enge Tunnel, die ein weitläufiges System bilden, voller Mythen und Legenden.
Sie sehen den berühmten ausgebrannten Filmbunker mit seinen rußgeschwärzten Wänden und geschmolzenen Stahlbetonelementen, die vom apokalyptischen Brand 1945 künden. Auch Versorgungsschächte und Luftschutzräume mit erhaltenen Details wie fragwürdigen Kriegsmalereien kommen zum Vorschein.
Die Touren dauern etwa zwei Stunden und sind für abenteuerlustige Tempelhof-Schöneberger ideal, die ihr Zuhause neu entdecken wollen. Es geht hinab in die Tiefe, wo Geschichte lebt, und Sie spüren den Puls vergangener Epochen.
Buchung, Preise und praktische Tipps
Buchen Sie die Führungen bequem online über die THF Berlin-Website, wo Termine montags, mittwochs bis freitags sowie am Wochenende angeboten werden, jeweils ab 11 Uhr. Der reguläre Preis liegt bei 17,50 Euro, ermäßigt 12 Euro für Kinder ab 6 Jahren, Schüler, Auszubildende und Inhaber eines Schwerbehindertenausweises.
Tragen Sie bequeme, geschlossene Schuhe, denn es geht durch enge Gänge und Treppen hinab in die feuchte Unterwelt. Eine Jacke ist ratsam, da es kühl wird, und mit dem Smartphone leuchte ich gerne mal extra, falls Gruppen groß sind.
Kommen Sie pünktlich zum Treffpunkt im Besucherzentrum CHECK-IN am Platz der Luftbrücke, direkt neben dem zentralen Haupteingang des Flughafengebäudes, und lassen Sie Rucksäcke oder große Taschen daheim, da Platz knapp ist. Für Gruppen ab 10 Personen lohnt eine Sonderbuchung, und die Guides teilen oft Insider-Anekdoten aus unserem Bezirk.
Ein Tipp von Nachbar zu Nachbar: Kombinieren Sie die Tour mit einem Spaziergang übers Feld danach, um den Kontrast zwischen Ober und Unterwelt zu genießen. Und bei Regen? Perfekt, dann fühlt es sich noch authentischer an wie in alten Schwarzweißfilmen.
Historischer Kontext: Warum Tempelhof einzigartig ist
Tempelhof war nie nur Flughafen, sondern Symbol für Epochenwechsel. Von den ersten Verkehrsflügen 1923 über NS-Propaganda mit Massenveranstaltungen bis zur Berliner Luftbrücke 1948 blieb der Untergrund immer zentral.
Die Bunker entstanden strategisch, um Rüstungsproduktion und Verwaltung auch unter Feuer zu sichern. Im Kalten Krieg wurde hier US-Geheimdienst gearbeitet, während oben Zivilflieger starteten, ein Kontrast, der Tempelhof-Schöneberg einzigartig macht.
Heute, als Park und Veranstaltungsort, erinnert das Unterirdische uns an die Schichten unserer Geschichte. Es ist kein Museum, sondern lebendiges Erbe, das Mythen wie versunkene Schätze oder Geistergeschichten nährt.
Als Lokaljournalist finde ich, dass diese Führungen ein Muss für jeden sind, der stolz auf Tempelhof-Schöneberg ist. Sie verbinden uns mit der Vergangenheit und machen klar: Unter dem scheinbar Leeren pulsiert Berlins Seele.
Die "Verborgene Orte"-Touren sind nicht nur Besichtigung, sie wecken Neugier auf mehr. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn alle Bunker öffnet. Bis dahin genießen wir diesen exklusiven Blick ins Unsichtbare.
In unserem Bezirk, wo Geschichte atmet, lohnt jeder Schritt unter die Erde. Gehen Sie hin, und Sie werden Tempelhof nie wieder gleich sehen.